Sternenhimmel Mai 2026
Venus nähert sich am Abendhimmel Jupiter und „Blue Moon“
Im schönsten Frühlingsmonat des Jahres 2026 nimmt die Zeit des lichten Tages um eine Stunde zu, da die Sonne auf ihrer Jahresbahn am 14. Mai aus dem Tierkreissternbild Widder in das Tierkreissternbild Stier wechselt. Damit bewegt sie sich in den nördlichsten Bereichen der Ekliptik, in denen fünf Wochen zuvor die auffällige Venus in der Abenddämmerung an den Plejaden vorbeigezogen ist. Am Monatsende lässt sich in Richtung Nordhorizont auch um Mitternacht eine schwache Aufhellung wahrnehmen, es beginnt damit die Zeit der romantischen „Weißen Nächte“.
Unsere Sonne selbst zeigt weiterhin eine erhöhte Aktivität im zurzeit laufenden, etwa elf Jahre umfassenden 25. Sonnenfleckenzyklus, was sich beispielsweise in hohen Sonnenfleckenzahlen, vermehrten Protuberanzen und Filamenten sowie energiereichen Flare- Erscheinungen zeigt.
Sowohl gleich zu Monatsbeginn als auch am letzten Maitag strahlt der Vollmond in hoffentlich romantischen milden Mainächten. Dieser nur selten eintretende zweite volle Mond in einem Monat wird in den USA als „Blue Moon“ bezeichnet und ist ein Hinweis auf ein seltener eintretendes Ereignis. Dies ist natürlich nur ein kalendarisch bedingter Sonderfall und hat mit dem realen Mondkörper und seiner Färbung nichts zu tun. Und tatsächlich tritt erst im Dezember 2028 der nächste interessante Sonderfall ein, wobei sich dann am Silvestertag zusätzlich eine totale Mondfinsternis ereignen wird. Am Morgen vor Neumond, der am 16. Mai eintritt, lässt sich bei besten Sichtbarkeitsbedingungen um 5.45 Uhr dicht über dem Nordosthorizont eine extrem schmale abnehmende Mondsichel erspähen. Am Abend des 17. Mai lässt sich dann um 22.10 Uhr erstmals die sehr schmale zunehmende Sichel wahrnehmen. Zwischen dem 18. und 20. Mai zieht die Mondsichel dann am frühen Abend weit nördlich zunächst an Venus und dann an Jupiter vorbei. Diese dichte Abfolge ist durch die gegenwärtige Extremlage der Mondbahn, die zu hohen nördlichen Positionen des Mondes führt, bedingt.
Mars bleibt im Monatsverlauf unsichtbar, während der innerste, daher immer sonnennahe Planet Merkur am Monatsende in der Dämmerung am Abendhimmel über dem Nordwesthorizont erspäht werden kann. Der Ringplanet Saturn mit seinem immer noch schmalen Ringsystem taucht zusätzlich ab der Monatsmitte in der Morgendämmerung als noch recht unauffälliges Objekt über dem Osthorizont auf. Dagegen bewegt sich unser innerer Nachbarplanet, die immer auffälligere Venus, als „Abendstern“ in den nördlichsten Bereichen ihrer Bahn durch das Sternbild Stier in das der Zwillinge. Dabei zieht sie am 19. Mai 1,6° oberhalb des Sommerpunkts, den die Sonne am 21. Juni erreicht, vorbei. Ihre Sichtbarkeitsdauer verlängert sich im Monatsverlauf nur noch wenig. Sie nähert sich ständig dem sich nur gemächlich wandernden Riesenplaneten Jupiter.
Dieser ist als auffällig helles Objekt, das schon ab der Abenddämmerung im Nordwesten über dem Horizont sichtbar ist, noch zwei Stunden ein attraktives Beobachtungsobjekt. In guten Ferngläsern und kleinen Teleskopen sind in seiner Atmosphäre helle Zonen und dunkle Bänder auszumachen. Auch schon in Ferngläsern, besser naturgemäß in Teleskopen, lassen sich seine vier großen Monde und deren Umläufe um Jupiter verfolgen, wobei es zu Durchgängen der Mondscheiben und ihrer -schatten vor und zu Bedeckungen bzw. Verfinsterungen hinter der Planetenscheibe kommen kann. Zusätzlich können ab Ende Mai auch gegenseitige Bedeckungen und Verfinsterungen der Jupitermonde für mehr als ein Jahr beobachtet werden, da wir in dieser Zeit auf die Kante des Systems der Jupitermonde blicken.
Der Sternhimmel zeigt nach dem Einsetzen der Dunkelheit in guter Beobachtungsposition am Südhimmel die Frühlingssternbilder Löwe mit dem Hauptstern Regulus, Bootes mit dem sehr auffälligen orangefarbenen Arktur und das ausgedehnte Tierkreissternbild Jungfrau mit der bläulich leuchtenden Spica. Diese hellen Sterne bilden das sogenannte „Frühlingsdreieck“. Am Westhimmel sind noch Reste der Wintersternbilder mit den Zwillingshauptsternen Castor und Pollux zu erkennen, in deren Nähe sich Venus und Jupiter aufhalten. Während der Große Wagen im Zenit steht, findet man die Cassiopeia, das sogenannte „Himmels-W“, dicht über dem Nordhorizont. Am Osthimmel sind die ersten Sommersternbilder aufgezogen, unter denen mit Wega und Deneb die auffälligen Sterne des Sommerdreiecks dominieren. Über dem Südosthorizont lassen sich die Scheren des Tierkreissternbilds Skorpion und dessen rötlichen Überriesenstern Antares erspähen.