Planetenreihe am Abendhimmel mit Venus, Jupiter, Merkur
Im meteorologisch ersten Sommermonat in diesem Jahr verändert sich die Zeit des lichten Tages mit über 16 Stunden kaum. Die Sonne erreicht auf ihrer Jahresbahn am 21. Juni um 10.25 Uhr den nördlichsten Bereich der Ekliptik, den sogenannten Sommerpunkt. Damit beginnt auch astronomisch das Sommerquartal mit der kürzesten Nacht. An diesem Tag der Sommersonnenwende wechselt die Sonne zudem aus dem Tierkreissternbild Stier in das Tierkreissternbild Zwillinge. Im Monatsverlauf lässt sich in Richtung Nordhorizont auch um Mitternacht eine schwache Aufhellung wahrnehmen, da sich die Sonne nicht ausreichend tief unter dem Nordhorizont befindet.
Dieser Vorgang erzeugt die sogenannten „Weißen Nächte“, in denen man hin und wieder das Phänomen der recht auffälligen „Leuchtenden Nachtwolken“ über dem Nordhorizont beobachten kann. Sie tauchen in Form von irisierenden, metallisch wirkenden, von der unter dem Horizont stehenden Sonne angestrahlten Eiswolken, die sich in etwa 80 km Höhe in der Stratosphäre befinden, auf.
Unsere Sonne selbst zeigt weiterhin eine erhöhte Aktivität im zurzeit laufenden, etwa elf Jahre umfassenden 25. Sonnenfleckenzyklus, was sich beispielsweise in relativ hohen Sonnenfleckenzahlen, vermehrten Protuberanzen und Filamenten sowie energiereichen Flareerscheinungen zeigt.
Gleich zu Monatsbeginn erhellt der noch fast volle Mond die kurzen Sommernächte. In der Morgendämmerung des 10. Juni kann man die abnehmende Mondsichel nördlich vom wieder sichtbaren Ringplaneten Saturn auffinden. Am Abend des 16. Juni, 30 Stunden nach Neumond, lässt sich bei besten Sichtbarkeitsbedingungen um 22.30 Uhr dicht über dem Nordwesthorizont eine extrem schmale zunehmende Mondsichel nördlich von den beiden Planeten Merkur und Jupiter erspähen. Der Einsatz eines Fernglas ist dafür sehr nützlich, auch um vielleicht noch Kastor und Pollux zu sehen. Am nächsten Abend ist die nun etwas weniger schmale Mondsichel mit dem auffälligen Erdschein, bedingt durch das von der Erde reflektierte Sonnenlicht, dann recht nahe der strahlenden Venus zu bestaunen. In der zweiten Monatshälfte bewegt sich der zunehmende Mond aus den nördlichsten Regionen seiner Bahn in die südlichsten im Tierkreissternbild Schütze. Dort erhellt schließlich am Monatsende dann der sehr knapp über den Südhorizont ziehende Vollmond die kürzesten Sommernächte des Jahres.
Der äußere Nachbarplanet Mars kann nur unter besten Bedingungen am Monatsende in der Morgendämmerung über dem Nordosthorizont erspäht werden.
Dagegen lässt sich der innerste, daher immer sonnennahe Planet Merkur ab Monatsbeginn bis zum 20. Juni in der Dämmerung am Abendhimmel über dem Nordwesthorizont erspähen und verstärkt die Planetenreihe mit der strahlenden Venus und dem Riesenplaneten Jupiter. Dabei nähert sich die schneller laufende Venus dem gemächlich südlich der Zwillingssterne Kastor und Pollux wandernden Jupiter bis zum Überholvorgang am 9. Juni, wenn sich der Abstand auf etwa drei Monddurchmesser verringert hat. Während danach Venus weiterhin am Abendhimmel als strahlender Blickfang verbleibt, wird Jupiter zunehmend von der hellen Abenddämmerung eingeholt.
Bis zur Monatsmitte lassen sich trotzdem seine vier großen Monde und deren Umläufe um Jupiter auch schon in Ferngläsern verfolgen. Allerdings wird man Jupiter in den letzten Monatstagen in der Abenddämmerung kaum noch wahrnehmen können. Saturn mit seinem immer noch sehr schmalen Ringsystem ist im Osten vor der Morgendämmerung wieder ein zunehmend attraktives Beobachtungsobjekt, dessen Monde ab der Monatsmitte in Fernrohren beobachtet werden können.
Der Sternhimmel zeigt nach dem Einsetzen der Dunkelheit in guter Beobachtungsposition in der Westhälfte das auffällige, recht ausgedehnte „Frühlingsdreieck“ mit Regulus, dem hellen Hauptstern des Tierkreissternbilds Löwe, dem sehr auffälligen orangefarbenen Riesenstern Arktur im Sternbild Bootes und dem blauweißen Hauptstern Spika im Tierkreissternbild Jungfrau. In diesem Bereich neben dem Sternenband der Milchstraße kann man teleskopisch tief in den Weltraum blicken und Galaxien des Virgogalaxienhaufens erspähen oder aufnehmen. Der Osthimmel wird von den Sommersternbildern dominiert. Dazu zählen der Herkules und der Schlangenträger (13. Tierkreissternbild!) mit den beiden Teilen Kopf bzw. Schwanz der Schlange mit ihren attraktiven Kugelsternhaufen, die zu den ältesten Objekten im Universum gehören. Am bekanntesten sind die Sternbilder Leier, Schwan und Adler, deren hellste Sterne das sogenannte Sommerdreieck bilden mit der blauen Wega in 25 Lichtjahren Entfernung, mit Deneb, dem blauen Überriesen als Schwanzstern im Schwan in 1000 Lichtjahren und dem beinahe Nachbarstern Atair im Adler in 17 Lichtjahren Abstand. Die auffällige Sommermilchstraße durchzieht diese Sternbilder. Dazu ist dicht über dem Südhorizont der Rote Überriesenstern Antares im Tierkreissternbild Skorpion, dessen südlichere Sterne bei uns gar nicht über dem Horizont erscheinen, gut zu sehen. Antares ist etwa 600 Lichtjahre von uns entfernt und ähnlich wie Beteigeuze im Orion in der Endphase seiner Entwicklung als massereicher Stern. Die beiden auffälligen Sternbilder der Sternenuhr haben ihre extremen Positionen im Zenit und über dem Nordhorizont verlassen.